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Reisemedizin

Reise-Sünden



Die sieben Reise-Sünden
Das Wichtigste zuerst: Reisen tut gut. „Es sorgt für neue Kontakte, schult die Wachheit und bietet viele Lernanreize“, sagt der Frankfurter Reise- mediziner Dr. Ulrich Klinsing. Vor allem Ältere profitieren von solchen Effekten – und sie tun das in immer stärkerem Maß. Seit 1993 haben die Reiseunternehmungen von über 60-Jährigen um fast 50 Prozent zugelegt. Die Zahl der Trips in außereuropäische Länder hat sich sogar annähernd verdreifacht.

Klinsing kennt die Gründe: „Die heutigen Senioren bringen oft schon große Reiseerfahrungen mit – und sie fühlen sich körperlich ungleich vitaler als frühere Generationen.“ Dieses Gefühl kann allerdings trügen, so der Mediziner: „Die gesundheitlichen Risiken werden gerne unterschätzt, oft werden Gewohnheiten aus jungen Jahren einfach beibehalten.“ Wir zeigen Ihnen sieben typische Fallstricke – und wie sie sich umgehen lassen.

Sünde Nr. 1: Durchstarten von null auf 100

Wer eine Fernreise macht, muss sich anpassen: an ein anderes Klima, größere Höhen oder schlicht an eine neue Zeitzone. Ältere Urlauber sind da gegenüber jüngeren Reisenden im Nachteil, weiß Dr. Burkhard Rieke vom Centrum für Reisemedizin in Düsseldorf: „Bei ihnen ist die Temperatur- regelung des Körpers nicht mehr so flexibel, das Lungenvolumen geringer.“ Wer in heiße Länder fährt, rät Rieke, sollte sich wenigstens zwei Tage Eingewöhnung gönnen, bevor er beispielsweise zu Wanderungen aufbricht. Für Zeitverschiebungen nach langen Flügen gilt: möglichst rasch nach dem neuen Tag-Nacht- Rhythmus leben – und das Schlafdefizit nicht tagsüber ausgleichen. 

Sünde Nr. 2: Endlich alles machen

Urlaub verführt zu Leichtsinn, beobachtet Rieke: „Man mutet sich Dinge zu, die man zu Hause nie machen würde. Einer meiner Patienten hat sich auf Kreta zum ersten Mal seit mehr als 40 Jahren auf ein Motorrad gesetzt.“

Die Empfehlung des Reisespezialisten: Wer Neues ausprobiert, sollte das schrittweise tun – und etwa auf dem Motorrad zunächst testen, ob er die Balance halten kann.

Sünde Nr. 3: Die Sonne unterschätzen

Sonnenmilch, -creme oder -öl bilden den Basis-Sonnenschutz (wenigstens 30 Minuten vor dem Sonnenbad auftragen!). „Doch zu viel Sonne ist nicht nur eine Gefahr für die Haut“, warnt Rieke. Die Hitze führt zu Flüssigkeitsverlusten, die ältere Menschen oft kaum ausgleichen, weil ihnen das Durstgefühl fehlt. Erschöpfung und Kreislaufbeschwerden können die Folge sein – aber auch Schlimmeres. „Wer schon angeschlagene Nieren hat, kann durch die Austrocknung des Körpers zum Dialysefall werden“, weiß Rieke. 
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